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Tilt-Aberration bei APS-C-Sensoren: Warum deine Sterne immer schief herauskommen

Ausrüstung2022.08

Wer Deep-Sky fotografiert, hat es mehr oder weniger schon erlebt: Die Sterne in den vier Ecken des Bildes lassen sich, wie man auch justiert, einfach nicht geraderichten und kippen stets in eine bestimmte Richtung weg. Dahinter steckt oft die Verkippung (Tilt) des Sensors.

Darstellung der durch Tilt verformten Sterne am Bildrand

Und bei APS-C-Sensoren scheint die Sache in diesem Punkt besonders ausgeprägt zu sein. Der Tilt-Betrag, den ich bei mir gemessen habe, liegt fast immer bei etwa dem Doppelten einer Vollformat-DSLR; und das gilt nicht nur für mein eigenes System – auch die Geräte an Remote-Sternwarten messen sich fast durchweg ähnlich. In diesem Punkt trifft die Hersteller wohl kaum zu Unrecht eine Mitschuld.

Im Cloudy-Nights-Forum (CN, eine der größten englischsprachigen Astronomie-Communitys) erwähnte jemand, man könne die Kamera zum Hersteller zurückschicken, damit sie mit dessen präziseren Instrumenten neu vermessen und neu montiert wird, woraufhin sie normal zurückkommt – denn ein Teil des Tilts ist etwas, das der Nutzer, wie er auch justiert, schlicht nicht korrigieren kann; der springende Punkt ist, dass uns selbst hinreichend präzise Messwerkzeuge fehlen. Freilich dürften die fortgeschrittenen Nutzer, die bereit sind, sich diese ganze Mühe zu machen und die Kamera zur Reparatur einzuschicken, letztlich eine Minderheit sein.

Welche Scherereien bringt Tilt mit sich?

Es sei denn, du hast vor, die Kamera auf einer unbeweglichen, festen Plattform zu montieren, sie ein einziges Mal zu justieren (vorausgesetzt, es gelingt dir überhaupt) und sie danach nie wieder abzunehmen; oder du bist bereit, fast so viel wie für die Kamera selbst auszugeben, um einen motorisierten Tilt-Adjuster zu kaufen – andernfalls hat es wirklich wenig Reizvolles, auf lange Sicht friedlich mit Tilt zusammenzuleben.

Was genau beeinträchtigt die Tilt-Aberration? Sobald der Fokus auch nur geringfügig danebenliegt, treten neben verformten Sternen auf dem Bild leichter allerlei weitere Probleme auf. Erscheinungen wie schwarze Ringe und Lichthöfe (Lichthöfe können sogar bei Filtern auftreten, die eigentlich gar keine erzeugen sollten) werden allesamt in dem vom Tilt betroffenen Teil des Bildes noch gravierender. Und für Systeme mit Anforderungen an den Backfokus (Back Focus) wird die Sache noch vertrackter.

In einem Satz zusammengefasst: Tilt ist die Art von Problem, die im Alltag unscheinbar wirkt, einen aber, wenn man sie wirklich angehen will, ganz schön zermürbt. Beim Kamerakauf ein Exemplar mit geringem Tilt zu erwischen, ist in gewissem Maße auch eine Frage des Glücks.