Warum mein LRGB keine Farbe hat: Die richtige Anwendung von LRGBCombination
Sicher stoßen viele, die von einer Farbkamera (DSLR oder gekühltes CMOS) auf eine Mono-Kamera umgestiegen sind und mit LRGB-Filtern fotografieren, anfangs auf Probleme beim Kombinieren von L und RGB. Und die Stelle, an der dieses Problem am häufigsten schiefgeht, ist die Farbe – die Farbe will nicht durchkommen, oder sie wirkt matt und fade.
Dafür gibt es viele Ursachen. In diesem Artikel beschränke ich den Rahmen auf den Fall „LRGBCombination in PixInsight verwenden“: Das heißt, dieselben L und RGB in unterschiedlichen Zuständen mit LRGBCombination zu kombinieren und dabei doch unterschiedliche Ergebnisse zu erhalten – und daran zeige ich dir, wie man den Prozess LRGBCombination am besten einsetzt.
Zuerst das Fazit
LRGBCombination ist ein Prozess für den nichtlinearen Zustand und eignet sich nur für den Einsatz im nichtlinearen Zustand.
Wenn dir nicht klar ist, was der lineare und der nichtlineare Zustand sind, hol zuerst das entsprechende Grundwissen nach und komm dann zum Experiment weiter unten zurück.
Versuchsaufbau
Um die Variablen zu kontrollieren, waren die Parameter von LRGBCombination in diesem Experiment durchweg völlig gleich; die L- und RGB-Bilder waren im linearen Zustand auch exakt dieselben Dateien, und im nichtlinearen Zustand wurden keinerlei sättigungsbezogene Parameter angepasst.
Zur Umgebung: Ich habe einen EIZO CS2731 Monitor verwendet, bei einer Helligkeit von 105 cd/m² betrachtet, kürzlich mit einem i1 Display Pro Kalibrator kalibriert, und das gesamte Experiment in einem farbverwalteten PixInsight durchgeführt.
Das Bild unten enthält vier Bilder, jeweils nummeriert:

- Bild 1: L und RGB werden beide mit STF+HT gestretcht, dann nach dem Stretchen (im nichtlinearen Zustand) mit LRGBCombination kombiniert.
- Bild 2: L wird mit STF+HT gestretcht, RGB dagegen mit einem kombinierten Stretch (arcsinh, masked, GHS, HT), dann nach dem Stretchen (im nichtlinearen Zustand) mit LRGBCombination kombiniert.
- Bild 3: L und RGB werden direkt im linearen Zustand mit LRGBCombination kombiniert und danach mit STF+HT in den nichtlinearen Zustand gestretcht.
- Bild 4: Mit dem HSI-Modus von ChannelCombination wird im linearen Zustand das I von RGB durch das ungestretchte L ersetzt und danach mit STF+HT in den nichtlinearen Zustand gestretcht.
(Ein Hinweis zu den Abkürzungen: STF = Screen Transfer Function, HT = Histogram Transformation.)
Versuchsergebnisse
- Farbe am deutlichsten (Bild 2): L und RGB mit unterschiedlichen Prozessen gestretcht und dann kombiniert.
- Farbe am zweitbesten (Bild 1): L und RGB nur mit STF+HT gestretcht und dann kombiniert.
- Farbe sehr blass (Bild 3): L und RGB im linearen Zustand mit LRGBCombination kombiniert und danach gestretcht – Farbe ist nur rund um den Kern mit Mühe zu erkennen.
- Farbe fast verschwunden (Bild 4): I im linearen Zustand durch das ungestretchte L ersetzt und danach gestretcht – selbst in den dunkleren Bereichen kommt weiterhin keine Farbe zum Vorschein, es sieht aus wie ein monochromes Bild.
Erläuterung
Obwohl viele Faktoren die Farbe eines LRGB-Bildes beeinflussen, reicht allein das eine Glied „der Kombinationsprozess von L und RGB“ schon aus, um die mühsam aufgenommene RGB-Farbe fast nicht zum Vorschein kommen zu lassen. Deshalb wiederhole ich das Fazit noch einmal: LRGBCombination ist ein nichtlinearer Prozess und eignet sich nur für den Einsatz im nichtlinearen Zustand, besonders dann, wenn du das L hinzufügst.
Nehmen wir mein Bild von NGC 1055 als Beispiel: Ich habe von Anfang an die Methode aus Bild 2 gewählt. Tatsächlich kombiniere ich fast alle meine Bilder (sofern sie in LRGB mit einer Mono-Kamera aufgenommen sind) nach der Vorgehensweise von Bild 2, um die beste Farbwiedergabe zu erzielen. Und bei einer Farbkamera füge ich, sofern die L- und RGB-Kanäle getrennt sind, das L ebenso erst nach Erreichen der nichtlinearen Phase wieder hinzu. Von dieser Phase an fahre ich mit der nichtlinearen Bearbeitung fort, um die Farbe voller und gesättigter zu machen, und feile dann mit Masken an den Details.
Umgekehrt gilt: Wenn du in der Situation von Bild 3 oder Bild 4 landest, kannst du die Zielfarbe vielleicht doch noch herausholen, selbst wenn du im nichtlinearen Zustand die Sättigung kräftig hochziehst – aber das geht mit einer Menge Farbrauschen einher, und zwar von der Sorte, die schwer zu behandeln ist oder viel Zeit zur Behandlung braucht. Hier hilft selbst NXT nicht mehr viel.
Ich wünsche euch allen eine reibungslosere Bildbearbeitung und wolkenlosen Himmel beim Fotografieren.