Eine totale Mondfinsternis mit einer Mono-Kamera aufnehmen: manuelle RGB-Ausrichtung und Integration
Beim Aufnehmen einer totalen Mondfinsternis mit einer Mono-Kamera ist das Schwierigste, dass man die RGB-Kanäle von Hand ausrichten muss — vor allem, wenn man auch noch integrieren will. Der Mond ändert im Verlauf der Finsternis Helligkeit und Farbe rasch, und die drei Filter werden zudem zeitversetzt aufgenommen, sodass das Ausrichten weit mühsamer ist als bei einem gewöhnlichen Deep-Sky-Objekt. Dieser Artikel nimmt die Bearbeitung des „Blauen Bandes“ der totalen Mondfinsternis vom Mai 2022 in Chile als Beispiel, um darüber zu sprechen.
Das Blaue Band: ein kurzes Stück Blau zwischen Halbschatten und Kernschatten
Zuerst dazu, warum das diesmal aufgenommene Ziel besonders ist. Von der totalen Mondfinsternis in Chile am 16. Mai 2022 habe ich einen Satz RGB-Bilder aus der Zeit um den Beginn der Totalität zur Bearbeitung ausgewählt. Im Moment der Aufnahme lag der Mond gerade zwischen dem Halbschatten und dem Kernschatten der Erde, weshalb sich auf der Mondoberfläche ein kurzes Stück Blau zeigte — das sogenannte „Blaue Band“.

Beim ersten Bearbeitungsdurchgang wählte ich diesen Satz (R 0,5 s um 3:28, G 3,5 s um 3:33, B 10 s um 3:37). Später kam mir das Ergebnis etwas fragwürdig vor (und ein Gleichgesinnter wies mich freundlicherweise darauf hin), also wechselte ich zu einem anderen Satz RGB-Bilder aus der Zeit, als die Totalität gerade zu Ende ging, und machte es neu — R 4 s, G 4 s, B 15 s (4:37–4:38 UTC).

Hier sei nebenbei eine Realität des Mondfinsternis-Aufnehmens in Mono angemerkt: Die Belichtungszeiten der Kanäle sind unterschiedlich (blaues Licht ist schwächer, deshalb muss der B-Kanal oft länger belichtet werden), und auch die Aufnahmezeiten unterscheiden sich — all das schlägt sich später auf die Ausrichtung und Kombination nieder. Als Ausrüstung dienten ein Planewave CDK 17″, eine SBIG STXL 11002 (mit AOX) und eine Paramount ME, bearbeitet wurde mit PixInsight, Photoshop und RegiStax6. (Zum astronomischen Hintergrund des Blauen Bandes kannst du gesondert einschlägiges Erläuterungsmaterial zu diesem Himmelsereignis heranziehen.)
Manuelle Ausrichtung, Integration und Sternspuren
Und wie steht es um die Integration? Bei einer anderen Mondfinsternis-Aufnahme habe ich für jeden der drei Kanäle jeweils 10 Aufnahmen integriert, und das Ergebnis war einigermaßen erfolgreich.
Doch wenn man mit einer Mono-Kamera RGB zeitversetzt aufnimmt und dann integriert, stößt man auf ein typisches Phänomen: Die Sterne ziehen Spuren. Weil der Mond sich relativ zu den Hintergrundsternen bewegt, werden die Hintergrundsterne, wenn du anhand der Mondoberfläche ausrichtest und integrierst, zu Strichen gezogen; und da die drei Kanäle zeitversetzt aufgenommen wurden, kommen dabei sogar dreifarbige Striche heraus. Damals war Uranus zu weit entfernt, also habe ich die zu Spuren gezogenen Sterne nicht weiter bearbeitet und einfach in der rechten unteren Ecke des Bildes einen dreifarbigen Strich stehen lassen.
Das bringt eigentlich die zentrale Abwägung beim Integrieren einer in Mono aufgenommenen Mondfinsternis auf den Punkt: Richtest du die Mondoberfläche aus, kannst du die Hintergrundsterne nicht ausrichten — man kann nur eines von beiden als Bezug wählen. Wer die Details der Mondoberfläche bewahren will, muss die Sternspuren meist entweder hinnehmen oder sie hinterher gesondert behandeln. Erst wenn du das Handwerk der manuellen RGB-Ausrichtung eingeübt hast, lassen sich Ziele dieser Art zuverlässig bearbeiten.