Kometen in PixInsight bearbeiten (Teil 1): Der Komet Tsuchinshan bei 135 mm kurzer Brennweite
Die Bearbeitung von Kometenbildern ist seit jeher lästig. Form, Bewegungsgeschwindigkeit sowie der Hintergrund, den ein Komet durchquert, und dessen Helligkeit sind bei jedem Kometen anders, sodass es schwerfällt, alles mit einem einzigen einheitlichen Ablauf durchzuziehen — jeder Komet sollte in jeder Phase eigentlich als eigener Einzelfall betrachtet werden. Dieser Artikel ist ein Protokoll meiner tatsächlichen Bearbeitung des Kometen Tsuchinshan (Tsuchinshan-ATLAS, C/2023 A3) und bildet die erste Folge der „Komet-Tsuchinshan-Reihe“. Die grundlegenden Werkzeuge, die man bei der Kometenbearbeitung verwendet (Comet Alignment, Sternentfernung, Masken usw.), habe ich gesondert im Artikel „Ein allgemeiner Leitfaden zur Kometenbild-Bearbeitung“ zusammengefasst; wenn du mit den Werkzeugen selbst noch nicht vertraut bist, empfehle ich, zunächst jenen Artikel als Grundlage zu lesen.
In dieser Folge geht es um den Fall der kurzen Brennweite.
Aufnahmebedingungen
Die Aufnahmen entstanden am 21. Oktober 2024 in Alishan, mit einer Sony A73 in Kombination mit einem Objektiv von 135 mm Brennweite. Für diese Brennweite gab es am Aufnahmeort keinen passenden Vordergrund, den man hätte einbeziehen können, weshalb dieses Werk kein Landschaftsbild enthält und rein den Kometen selbst zeigt.

Ein Neun-Schritte-Ablauf
Nachfolgend die groben Schritte, die ich diesmal verwendet habe. Der Kerngedanke ist, „Sterne“ und „Kometen“ getrennt zu integrieren und erst am Ende zusammenzusetzen — denn der Komet bewegt sich relativ zu den Hintergrundsternen, sodass sich beide nicht mit demselben Satz an Registrierungsparametern gleichzeitig verarbeiten lassen.
- Mit WBPP die Bilder bis zur Stufe der Sternregistrierung kalibrieren (ergibt das sternregistrierte Bild A).
- Auf das sternregistrierte Bild NSG oder LN (Local Normalization) anwenden, um den Gradienten des Bildes zu normalisieren (ergibt das normalisierte sternregistrierte Bild B).
- Die normalisierten sternregistrierten Bilder integrieren (ergibt das integrierte Sternbild C, an dem später noch DBE und Farbkalibrierung nötig sind).
- Das sternregistrierte Bild A mit Comet Alignment ausrichten (ergibt das Comet-Alignment-Bild D).
- Die Sterne im Comet-Alignment-Bild D entfernen (ergibt das sternlose Comet-Alignment-Bild E).
- Unter Weiterverwendung der NSG- oder LN-Normalisierungsdateien der Sterne aus Schritt 2 das sternlose Comet-Alignment-Bild E integrieren (ergibt das integrierte reine Kometenbild F).
- Die Sternrückstände im reinen Kometenbild F beseitigen (ergibt das reine Kometenbild G, an dem später noch DBE und Farbkalibrierung nötig sind).
- Aus dem integrierten Sternbild C die reinen Sterne extrahieren (ergibt das reine Sternbild C1, wobei der Hintergrund von Bild C verworfen wird) und mit dem reinen Kometenbild G zusammenführen.
- Das zusammengeführte Bild ausarbeiten.
Ein paar Ergänzungen
Zum Leistungs-Kompromiss. Wenn NSG oder LN auf deinem Rechner zu lange läuft, kannst du erwägen, die Schritte 2 und 6 einzusparen und direkt zu integrieren. Tust du das jedoch, muss das DBE in Schritt 7 gründlich gemacht werden, um den Gradienten manuell wiederherzustellen.
Dieser Komet hat einen einfachen Hintergrund, daher lässt sich der Ablauf vereinfachen. Bei der allgemeinen Kometenbild-Bearbeitung musst du, wenn der Hintergrund Nebel oder Galaxien enthält, meist zusätzlich vom normalisierten sternregistrierten Bild B das integrierte reine Kometenbild F abziehen und erneut integrieren, um so ein sauberes, rein aus dem Hintergrund bestehendes Integrationsbild zu erhalten. Diesmal gab es im Hintergrund in der Nähe des Kometen Tsuchinshan keine solchen Objekte, weshalb dieser Schritt entfiel. Wenn du jedoch ein Teleskop mit längerer Brennweite und größerer Öffnung verwendest (etwa vom Typ RASA oder „Takahashi-Taxi“) und die Bildkomposition einen Kugelsternhaufen oder eine kleine Galaxie mit einfängt, musst du diesen Schritt womöglich doch wieder ergänzen.
Comet Alignment durchführen oder nicht? Der Komet Tsuchinshan bewegt sich nicht sehr stark, sodass du theoretisch, wenn du auf Comet Alignment verzichtest und nur eine Sternregistrierung machst und dann die Helligkeit des Kometenkerns anhebst, die Integrationsmängel am Kern womöglich kaschieren kannst. Doch der größte Preis dafür, nur eine Sternregistrierung und kein Comet Alignment zu machen, ist folgender: Weil sie nicht ausgerichtet sind, wird ein Teil des schwachen Schweifs vom Rejection-Algorithmus als Ausreißer behandelt und entfernt, sodass der Staubschweif oder Gegenschweif merklich kürzer ausfällt. Das ist der Preis, den man zahlen muss.
Beim Fall der langen Brennweite (1000 mm und mehr) nimmt der Komet den größten Teil des Bildfelds ein, sodass das Ergebnis der Normalisierung nicht ideal ausfällt und der Ablauf weiter angepasst werden muss; diesen Teil hebe ich mir für die zweite Folge der Reihe auf.