STF Screen Stretch richtig verstehen: Konzepte und Techniken
Ein frisch integriertes Astrofoto sieht immer aus wie eine schwarze Fläche, und viele wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Die Screen Transfer Function (STF, Bildschirm-Stretch der Tonwerte) in PixInsight ist genau dafür geschaffen, dieses Ärgernis zu lösen. Dieser Artikel fasst die Kernkonzepte der STF und ein paar praktische Techniken in einem Beitrag zusammen.
Was STF eigentlich tut: nur den Bildschirm stretchen, nicht das Bild ändern
Das wichtigste Konzept bei STF ist dieses: Sie stretcht nur den Anzeigezustand des Bildschirms und ändert niemals dauerhaft die Werte des Bildes. So kannst du im linearen Zustand den Bildinhalt begutachten und lineare Bearbeitung durchführen, ohne das Bild zuerst dauerhaft stretchen zu müssen.
Um es konkreter zu machen, beobachte den K-Wert des Hintergrunds: Im linearen Zustand liegt der Himmelshintergrund etwa bei 0,003; sobald du dauerhaft stretchst, kommt der Himmelshintergrund auf etwa 0,12 hoch. Beide sehen auf dem Bildschirm ähnlich aus, aber die zugrunde liegenden Werte sind völlig verschieden.
Hör also auf zu sagen: „Das schwarze Bild kann man nicht sehen, damit kann man nicht arbeiten.“ In PI kannst du zusammen mit STF mühelos lineare Bearbeitung durchführen und die Wirkung sofort überprüfen. Neben PI haben auch Programme wie MaxIm DL und CCDStack vergleichbare Funktionen.
Grundbedienung: Ctrl+A und dieser Nuke-Knopf
Wähle ein bereits fertig integriertes Bild aus, drücke auf der Tastatur Ctrl+A (auto screen transfer function) oder klicke auf der STF den Knopf, der scherzhaft „Nuke“ (Atombombe) genannt wird, und du siehst sofort, wie das integrierte Bild im linearen Zustand aussieht.
Wenn dir das Ergebnis nach der STF gefällt, kannst du die Einstellungen der STF auf HistogramTransformation ziehen, das Bild dauerhaft stretchen und es dann in jede beliebige Software exportieren, in der du weiterarbeiten willst (etwa Photoshop, Affinity Photo oder Lightroom).
Nach dem Stretchen alles rot oder grün? Drück zuerst dieses Schloss
Viele nutzen nach dem Kauf von PI nur die STF und drücken den Nuke-Knopf, um das Bild automatisch zu stretchen. Doch häufig stößt man auf ein Problem: Nach dem Stretchen erscheint das ganze Bild als eine Fläche aus Rot oder Grün, und man weiß nicht, was zu tun ist.
Die Lösung: Drücke das Schloss oben auf der STF (das die RGB-Kanäle entkoppelt) und dann noch einmal den Nuke-Knopf, dann sieht das Bild normal aus. Nimm M101 als Beispiel: Wenn der Cursor den Hintergrund ausliest, wirst du feststellen, dass der Rotwert weit höher liegt als Grün und Blau; nach dem Entkoppeln der RGB-Kanäle findet die STF für jeden Kanal automatisch die am besten passende Stretch-Position.

Beachte jedoch, dass die STF die Anzeige nur vorübergehend normal aussehen lässt. Um den Farbstich wirklich zu beheben, kannst du mit Background Neutralization den Hintergrund neutralisieren, damit die Hintergrundwerte der einzelnen RGB-Kanäle einander näherkommen, und danach eine Farbkalibrierung durchführen; natürlich kannst du auch PCC diese Arbeiten automatisch erledigen lassen.
STF-Einstellungen kopieren: unterschiedliche Bilder korrekt vergleichen
Viele wissen, dass die STF sehr praktisch ist, doch weil sie ein automatischer Stretch ist, stretcht ein Druck auf Ctrl+A jedes Bild je nach seinen eigenen Werten in einem anderen Verhältnis. Das heißt: Selbst wenn Bild A und Bild B auf dem Bildschirm ähnlich aussehen, sind ihre dahinterliegenden STF-Einstellungen in Wirklichkeit verschieden — eine Folge der Automatik, kein Zeichen dafür, dass das Signal wirklich gleich ist.
Wenn du mit der STF den Signalunterschied zwischen den Bildern A und B wirklich vergleichen willst, kann das neuere PI (ab 1.8.9) die STF-Einstellungen eines Bildes direkt auf ein anderes kopieren, ohne das Bild mit festen Werten dauerhaft stretchen zu müssen.
So geht’s: Ziehe mit Alt + linker Maustaste den Bild-Tab auf den Tab eines anderen Bildes.

Aus demselben Grund: Wenn du im linearen Zustand die Signalstärke mehrerer Bilder vergleichen willst, denk daran, mit Alt dieselbe STF-Einstellung auf alle zu vergleichenden Bilder zu kopieren. Drückst du auf jedem Bild einzeln Ctrl+A, fällt der Grad des Bildschirm-Stretchs meist unterschiedlich aus, und du kannst die Signalunterschiede nicht korrekt vergleichen. Nimm IC 2944 als Beispiel: Man sieht deutlich, dass das SII-Signal in manchen Bereichen im Vergleich zu Ha und OIII sehr schwach ist.

Versteckte Funktion: die verstärkte STF
Zum Schluss noch ein kleiner Trick, den viele nicht kennen. Neben dem einfachen Druck auf den Nuke-Knopf hat die STF noch eine versteckte Anwendung: Halte Shift gedrückt, während du auf den Nuke-Knopf klickst, und das Bild zeigt eine verstärkte Version des STF-Bildschirm-Stretchs.
Wie im Bild zu sehen, ist links die gewöhnliche STF und rechts das Ergebnis der verstärkten Version.
