Astrofotografie mit einem Industrie-PC steuern: eine kompakte, stromsparende Automatisierungslösung
Seit diesem Jahr steuere ich meine Astrofotografie-Aufnahmen über einen Computer. Von Anfang an hatte ich allerdings nicht vor, einen empfindlichen Laptop bei hoher Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temperaturen draußen im Feld laufen zu lassen – schließlich sind die meisten Laptops gar nicht dafür konstruiert, unter derart rauen Bedingungen zu arbeiten.
Warum ein Industrie-PC?
Die Lösung, für die ich mich entschieden habe, ist ein „Industrie-PC“ (industrieller Steuerungsrechner). Im Jahr 2022 lässt sich die Baugröße eines Industrie-PCs bereits enorm verkleinern. Nimm das Gerät im Bild als Beispiel: Es ist sogar kleiner als meine Pegasus-Stromversorgung (die blaue Box) und beansprucht ungefähr die Fläche einer Handfläche. Der Bequemlichkeit halber habe ich es direkt oben auf der Stromversorgung befestigt; es ist nicht nur klein, sondern auch sehr leicht.

Der Stromverbrauch ist eigentlich kein Problem
Der Stromverbrauch war stets der größte Vorbehalt gegen die „Steuerung per Computer“. Doch nach dem tatsächlichen Nachmessen zeigt sich: Die Netzteilspezifikation dieses Computers lautet 12V 2A – im stromsparenden Zustand sind es nur etwa 8 W, unter hoher Last steigt der Wert auf höchstens 11 W. Angesichts moderner Akkus, die locker 80–100 Ah Kapazität bieten, ist es überhaupt kein Problem, ein bis zwei Aufnahmenächte durchzuhalten.
Wenn dir die Größe egal ist, kannst du auch nach einem gebrauchten Industrie-PC im Metallgehäuse suchen (der Marktpreis liegt meist unter 2.000 Taiwan-Dollar). Solche Modelle verbrauchen oft noch weniger Strom, etwa nur 2 W; viele Modelle haben sogar eine 4G-Netzwerkkarte eingebaut, sodass du allein durch Einstecken einer SIM-Karte direkt ins Internet kommst.
Mein Aufbau zur Fernsteuerung
Mein Hauptaufbau lautet „Computersteuerung plus 4G-WLAN-Router“. So kann ich in der Nähe des Teleskops direkt über WiFi bedienen; und überall, wo es Internet gibt, kann ich die Aufnahme per Smartphone, Tablet oder Computer fernsteuern und überwachen (wie auf dem zweiten Bild zu sehen).

Hier ein kleiner Kniff: Bei reiner Fernsteuerung lässt sich die Auflösung nicht anpassen, weil am Hostrechner kein Bildschirm angeschlossen ist. Deshalb ergänze ich einen „Dummy-Monitor“ (ein virtuelles HDMI-Display) für gut hundert Taiwan-Dollar, der am HDMI-Anschluss des Computers steckt. So kann ich die Auflösung von der Ferne aus beliebig einstellen – es werden sogar bis zu 4K unterstützt.
Der größte Vorteil der Computersteuerung: breite Kompatibilität
Der größte Vorteil der Computersteuerung ist ihre sehr breite Kompatibilität: Solange dein Gerät einen ASCOM-Treiber bereitstellt, lässt sich fast alles universell kombinieren, und du bist nicht an die Hardware eines einzigen Herstellers gebunden. Als Aufnahmesteuerungssoftware habe ich NINA gewählt, das unter Gleichgesinnten am gebräuchlichsten ist; schon beim ersten Mal stieß ich auf keinerlei Probleme und konnte direkt loslegen (vorausgesetzt natürlich, du hast zuvor die Treiber installiert).
Im Jahr 2022 ist es also gar keine teure oder stromhungrige Sache mehr, mit einem Computer automatisierte Aufnahmen umzusetzen. Wer fotografiert, muss auch nicht die ganze Nacht neben dem Gerät Wache halten, sondern kann beruhigt aus dem warmen Auto oder Zimmer heraus zusehen; und wem das immer noch nicht geheuer ist, der kann sogar eine Netzwerkkamera zur Überwachung aufstellen – nur ist zu beachten, dass das Infrarotlicht der IP-Kamera unter Umständen ins Objektiv strahlt.
Benötigte Ausrüstung und Budget
- Industrie-PC: 2.000–8.000 Taiwan-Dollar
- Dummy-Monitor (virtuelles HDMI-Display): 80–150 Taiwan-Dollar
- 4G-Router (optional): 2.500 Taiwan-Dollar
- Fernsteuergerät: dein eigenes Smartphone, Tablet oder Laptop genügt