Woher kommt das diffuse Gas einer Galaxie? Über die Bedeutung der linearen Verarbeitung
Manche hegen vielleicht das Missverständnis, jenes weißliche, diffuse Gas einer Galaxie sei etwas, das PixInsight „erzeugt“. Das ist nicht der Fall. Dieses Gas ist ein Signal, das in den Daten von vornherein vorhanden war—mit Photoshop lässt es sich genauso herausarbeiten. Dass es nicht zum Vorschein kommt, hat vor allem einen Grund: Wer das Bild direkt ins Nichtlineare überführt, ohne die lineare Verarbeitung zu durchlaufen, verschenkt unnötig eine ganze Menge Detail.
Zwei häufige Fehler
Neben dem Überspringen der linearen Verarbeitung ist ein weiterer schwerwiegender Fehler, JPGs zum Zusammensetzen von LRGB zu verwenden. Ein JPG hat nur 8 Bit, und die Datenmenge darin reicht schlicht nicht aus. Auf diese Weise geht das Luminanz-Detail fast vollständig verloren, und am Ende bleibt nichts als eine hohle—und dazu noch nicht einmal gut ausbalancierte—Farbsättigung. So wird die gute Qualität des Rohbilds einfach vergeudet.
Solche Übungen bringen nichts, egal wie viele davon man macht, denn Arbeitsablauf und Grundverständnis sind von Anfang an falsch. Ich habe selbst versucht, Bilder auf diese Weise zu bearbeiten, und tatsächlich entsteht sehr schnell ein Bild—aber man stößt genauso schnell an eine Wand: Gerade weil die Methode falsch ist, kommt man damit nicht weit.
Ich habe schon von etlichen Anfängern gehört, dass ihnen beim Anschauen einer seriösen Astrofotografie-Anleitung die Augen zufallen. Doch in diesen seriösen Arbeitsabläufen werden sowohl die Reihenfolge der Schritte als auch die konzeptionellen Aspekte behandelt, und wem das noch nicht recht klar ist, dem lohnt es sich, noch einmal zurückzublättern.
Gutes Material braucht mehr Bearbeitung, nicht weniger
Die Bearbeitung von Deep-Sky-Bildern ist nicht ganz wie Kochen. Material von guter Bildqualität braucht im Gegenteil mehr Bearbeitung, um zu vermeiden, dass diese Daten verschwendet werden. Material dagegen, das nicht besonders gut aufgenommen wurde, ist dasjenige, das wirklich „schnell zu einem Bild wird“—weil darin von vornherein nicht viel Detail steckt, das herausgearbeitet werden müsste.
Mit anderen Worten: Wie schnell ein Bild entsteht, ist nicht dasselbe wie, wie gut es bearbeitet ist. Wenn du gute, detailreiche Daten in Händen hältst, wirst du diesem Material erst dann gerecht, wenn du bereit bist, dir die Zeit zu nehmen, den seriösen Arbeitsablauf bis zum Ende zu gehen.

Noch eine letzte Anmerkung: Die Apps, die es derzeit auf Smartphones und Tablets gibt, taugen nur für einfache Farbanpassungen; um Deep-Sky-Astroaufnahmen dem Arbeitsablauf entsprechend ordentlich zu bearbeiten, muss man sich nach wie vor auf einen Computer verlassen.