Wird KI Anwälte und Patentanwälte ersetzen? Die Sicht von Box-CEO Aaron Levie
Vor Kurzem sah ich ein Interview, in dem Box-CEO Aaron Levie einige recht scharfsinnige Ansichten über die Rechts- und die Patentbranche äußerte. Was folgt, ist meine Zusammenfassung und Wiedergabe dieses Interviews; die Ansichten gehören Levie und werden hier für alle geteilt.
1. Je mehr Inhalte, desto beschäftigter die Anwälte
Rechtliche Inhalte zu erzeugen, ist einfach geworden, und Mandanten werden mit KI große Mengen an Antworten und Verträgen produzieren. Wenn jeder sich für einen Anwalt hält, explodiert paradoxerweise gerade der Bedarf, all diese Inhalte zu „prüfen“. Levie vermutet daher, dass die Zahl der Anwälte in den nächsten fünf Jahren nicht sinken, sondern steigen wird.
2. Die Patentanmeldung und das Gerichtssystem bleiben „Engpässe“
KI hat das Entwerfen beschleunigt, doch die Maßstäbe dafür, eine Patentanmeldung einzureichen und die gerichtliche Prüfung zu bestehen, sind dadurch nicht einfacher geworden. Diese Verfahren, die fachliches Urteilsvermögen und institutionelle Regelkonformität verlangen, lassen sich so bald nur schwer automatisieren.
3. Was du kaufst, ist nicht die Technik, sondern die „Rechenschaft“
Warum sollte man Geld ausgeben, um einen Anwalt zu engagieren? Nicht bloß, um jemanden ein NDA schreiben zu lassen, sondern damit es, wenn etwas schiefgeht, eine Person gibt, die zur Verantwortung gezogen werden kann. Anthropic oder OpenAI kannst du nicht zur Rechenschaft ziehen, aber ein Anwalt hat Liability – jene rechtliche Verantwortung und Verpflichtung.
4. Die entscheidende neue Rolle: Agent Operator
Levie ist überzeugt, dass künftige Rechtsteams eine Art „Agent Operator“ brauchen werden. Diese Leute verstehen MCP und wissen, wie man den Workflow neu gestaltet; sie besitzen nicht unbedingt eine Anwaltszulassung, können aber die Rechtsabteilung und KI-Agenten nahtlos zusammenarbeiten lassen.
Fazit: KI hat den Menschen nicht entfernt, sondern nur unsere Position verändert
Der eine Satz aus dem ganzen Interview, der bei mir am stärksten nachhallte, war dieser: KI hat den Menschen nicht aus dem Prozess entfernt; sie hat nur unsere Position innerhalb des Workflows verändert – vom „manuellen Ausführen des Prozesses“ hin zum „Prüfen und Zur-Rechenschaft-Ziehen“.
Gemessen an meinen eigenen Beobachtungen im Patentberuf trifft dieses Fazit tatsächlich ziemlich genau zu.