Ist die Stacking-Software wichtig? Ein Test und eine Umfrage
Ist die Stacking-Software wichtig? Viele meinen, Stacking sei doch nur das Zusammenzählen von Bildern, da mache es kaum einen Unterschied, welche Software man nimmt. Dieser Artikel geht der Frage mit einem Praxistest und einer Community-Umfrage nach — und das Fazit lautet: Die Software macht wirklich einen Unterschied.
Ein unerwarteter Test
Der Auslöser war, dass ein Sternfreund ein kaputtes Bild mit seltsamen Mustern bereitstellte. Ich habe mich in PixInsights WBPP lange abgemüht, konnte sein kaputtes Bild aber partout nicht reproduzieren; erst als ich schließlich nachfragte, kam heraus: Er hatte mit ZWO ASI Studio gestackt.

Im Sinne des Experimentiergeists habe ich ASI Studio ebenfalls heruntergeladen und installiert. Sein Stacking-Tempo ist enorm schnell — so schnell, dass ich den Verdacht hatte, es mache nur simple Grundrechenarten: je 10 Lights, Darks, Flats und Bias sind in etwa 20 Sekunden fertig. Zwar sah das Ergebnis nicht so schlimm aus wie das des Sternfreunds, doch als ich es neben den PI-Stack legte, war es tatsächlich so — ASI Studio hatte den Stack verhunzt. Im Bild oben ist links PI und rechts ASI Studio; erkennst du den Unterschied?
Eine Erinnerung am Rande: Solche Bildprobleme haben oft viele mögliche Ursachen, die sich mit einem Screenshot oder einer bloßen Textbeschreibung häufig nicht vermitteln lassen. Wer die Ursache aufspüren will, stellt daher am besten die Rohdateien gleich mit bereit — nur so lässt sich wirklich die passende Behandlung für das Symptom finden.
Eine Community-Umfrage: Womit stackt eigentlich jeder?
Womit also stackt eigentlich jeder in der Praxis? Ich habe einmal eine Community-Umfrage durchgeführt, insgesamt 101 Stimmen, die vier vordersten Plätze lauten wie folgt:

- PixInsight — 50 % (etwa 300 Euro)
- DSS (DeepSkyStacker) — 24 % (kostenlos)
- APP (AstroPixelProcessor) — 18 % (165 Euro)
- Siril — 6 % (kostenlos)
Ein paar Beobachtungen:
- Wer mit PI stackt, macht bereits etwa die Hälfte der Gesamtstimmen aus. Und laut einer früheren Umfrage stacken von den PI-Nutzern vermutlich noch zwanzig bis dreißig Prozent gar nicht mit PI, sondern verwenden womöglich nur Prozesse wie DBE oder BXT. PI dürfte derzeit die beste Plattform für lineare Bearbeitung sein, das WBPP-Skript ist ausgereift, und mit PI zu stacken kostet nicht mehr so viel Kopfzerbrechen.
- Überraschend ist, dass das altgediente DSS immer noch fast ein Viertel der Nutzer hat und damit sogar APP übertrifft, das für seine Mosaike bekannt ist.
- Das viertplatzierte Siril trägt den Beinamen „kleines PI“, verfügt über eine chinesische Benutzeroberfläche und einen Teil der Funktionen von PI, doch sein Nutzungsanteil liegt überraschend bei nur 6 %.
- Die übrigen, Maxim DL und ASI Studio, haben eine kleinere Nutzerbasis, daher gehe ich nicht weiter auf sie ein.
Zurück zur Ausgangsfrage: Ist die Stacking-Software wichtig? Nach jenem Test, bei dem ASI Studio gute Daten beim Stacking verhunzt hat, ist die Antwort klar — ja, sie ist wichtig. Kostenlos und schnell ist zwar verlockend, aber wenn die Software bei der Kalibrierung oder der Integration etwas falsch macht, waren die mühsam aufgenommenen Daten umsonst.